"Stuck in a truck" (Festsitzend im LKW) Südsudan 2019


Mutig treiben wir unsere Vision voran, in dem unerreichten Stamm der Toposa 100 Kirchen in fünf Jahren zu gründen. Wir sind jetzt fast ein Jahr vorort und durften die Gründung von 23 Kirchen miterleben.

Wir hatten begonnen, in Naliel (Sudan) eine Missionsstation mit vier Häuser für die Missionare usw. zu bauen. Doch im Dezember 2018 mussten wir die Arbeit niederlegen, da die Kosten exorbitant gestiegen waren. Der Vorarbeiter hatte die Menge an Sand unterschätzt, die wir benötigen würden. Mehr Sand bedeutete mehr Miete für LKWs, mehr Arbeiter, mehr Kosten für Visas....Eine Ladung Sand hätte uns 1000$ gekostet und das, obwohl wir den Sand kostenlos aus einem nahegelegenen, ausgetrockneten Flußbett bekommen hätten. Kann es das schon gewesen sein?

Hier die Strasse die wir nehmen mussten- und man wundert sich auch noch warum die Autos kaputt gehen.

“Ich dachte, wir würden alle sterben”


Also machten wir uns, mit unserem Unimog und einem großen Anhänger, aus dem kühlen Eldoret auf in den Südsudan. Wir wollten nun selbst eine Woche lang Sand aus dem Flussbett schaufeln, um weitere Kostenexplosionen zu vermeiden und das Projekt zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.

Das Team benötigte zwei Tage, um bis zur Grenze zu gelangen. Wir hatten zwei Reifenpannen und zu allem Überfluss versagten die Bremsen auf einer zweistündigen, steilen Talfahrt.


Jackson, der Fahrer erzählte niemandem von den Problemen, da er fürchtete, dass alle aus dem Wagen springen und verschwinden würden. Er konnte nur im 4. Gang fahren, da er nicht wagte die Kupplung zu treten, denn sonst hätte der Wagen an Geschwindigkeit zugenommen. Später erzählte er uns, dass er wirklich dachte, dies wäre das Ende. Auf der einen Seite ging es gut 15 Meter in die Tiefe und auf der anderen Seite war viel Gegenverkehr. Doch, Preis dem Herrn, wir kamen sicher im Tal an und Jackson konnte den Wagen auslaufen lassen und ihn stoppen um sich dann um das Problem zu kümmern.


Nach dem Überqueren der Grenze erwartete das Team wie immer 20km Niemandsland. Hier konnte man sich nie sicher sein ob nicht hinter dem nächsten Busch eine Horde Banditen hervorspringen und den Wagen umzingeln würde. Ab und an waren Gewehrschüsse hören, wobei nicht zu sagen war, wer hier schoss. Banditen, Hirten oder die Armee. Einmal fuhren wir sogar an einem Panzer vorbei der immer wieder ins Gebüsch schoss, um die Menschen davor zu warnen, zu nah an die Schotterstraße zu kommen.

Alle im Süd-Sudan sind bewaffnet, auch die Missionare

Nach weiteren sechs Stunden Fahrt erreichten wir endlich unser Gelände in Naliel. Wie es sich seit unserem letzten Besuch doch verändert hatte. Das erste Haus war fast fertig. Um den Brunnen, den wir sechs Monate zuvor gegraben hatten, wuchs Grün. Allerlei Pflanzen, Gemüse und Tiere erfreuten sich an der neuen Wasserquelle. Ein Zaun war errichtet worden und ein großes Tor mit Wächter sicherte den Eingang. Wir schliefen alle in Zelten, die tagsüber vom Wind mit Sand gefüllte wurden und nachts trat jemand auf einen Skorpion. Hin und wieder besuchte uns auch eine Schlange, aber irgendwie machte sich Frieden in uns breit.


Nach unserer Ankunft ließen wir nicht viel Zeit verstreichen und fingen so schnell wie möglich damit an, Sand aus dem 10km entfernten Flussbett zu schaufeln. Ein paar Leute aus dem Team besuchten die umliegenden Dörfer, die wir zuvor noch nicht besucht hatten. (Gefühlt gab es etwas 1000 von diesen Dörfern in der Umgebung). Es dauerte nicht lange und wir hatten die nächste Reifenpanne, damit war dann der Anhänger nicht mehr zu gebrauchen. Wir entschieden uns weiter zu machen und nur noch die Ladefläche des Unimogs zu verwenden, waren wir jetzt doch schon so weit gekommen.


Am nächsten Morgen machten wir uns auf, die nächste größere Stadt (ca.100km entfernt) zu erreichen, um den dortigen District Governor (eine Art Landrat – dort aber wichtiger und bekannter in seiner Funktion) zu treffen. (Eine formelle Abhandlung um uns und unsere Arbeit vorzustellen). Auf unserem Weg zurück blieb dann auch noch unser Unimog liegen. Wie sich herausstellte, war die Kupplungsplatte gebrochen. Unser Technikteam machte sich sofort an die Arbeit – eine schwierige und langwierige Arbeit, da erst das Führerhaus angehoben werden musste, um überhaupt an den Motor zu gelangen. (Nur das Anheben allein dauerte schon 4-5 Stunden.) Nachdem wir dann endlich bis zur Kupplung vorgestoßen waren, überlegten wir fieberhaft, was wir tun sollten. Das Stammesoberhaupt hatte für den nächsten Tag ein großes Treffen mit allen Dorfältesten einberufen, um über die Nöte der Menschen zu sprechen. Außerdem wollte er seine Leute dazu auffordern, unserem Plan, eine Schule in der Region zu gründen, Gehör zu schenken.

Dazu kämen noch Gottesdienste in denen wir als Gastredner sprechen sollten, diese sind in dieser unerreichten Region etwas ganz Besonderes. Aber wir konnten den Unimog unmöglich einfach am Straßenrand alleine stehen lassen. Entweder würde ihn irgendjeman einfach auseinander nehmen oder Sand würde sich in Motor und Getriebe festsetzen oder Schlangen würden sich ein Nest darin bauen.




Es musste eine Entscheidung getroffen werden. Nach reiflicher Überlegung entschieden wir uns, zwei Teams zu bilden. Team 1 würde zurück nach Kenia gehen, um eine neue Kupplung zu besorgen und Team 2 würde sich mit den Ältesten treffen, in Kirchen sprechen und weitere Beziehungen im Stamm knüpfen. Am frühen Morgen verabschiedeten wir uns also von der anderen Hälfte unseres Teams die sich auf den Weg machte, eine neue Kupplung zu finden. ( Es ist schwer zu erklären, wie isoliert man sich in dieser Gegend fühlt. Kein Telefon, nicht einmal über Satelit, keine andere Möglichkeit mit der Außenwelt zu kommunizieren und ein Auto fährt vielleicht alle paar Wochen mal vorbei)

Nicht lange nachdem die eine Teamhälfte aufgebrochen war, nahm der Wind zu und wir fanden uns in einem Sandsturm wieder. Die Zelte wurden aufgewirbelt und in die nächstgelegenen Dornenbüsche geweht – alle nicht mehr zu gebrauchen...


Wir verbrachten die meiste Zeit des Tages damit, uns vor der Sonne und dem Wind zu schützen. Spät am Abend sahen wir dann plötzlich die Lichter eines Autos und wunderten uns, wer das wohl sein konnte. Unser Team erwarteten wir doch erst in 3-4 Tagen zurück.

Wie sich herausstellte, gab es eine Schießerei in der einige Kinder getötet wurden. Daraufhin wurde die Grenze bis auf Weiteres geschlossen.

Wir machten uns am nächsten Tag mit einem größeren Team nochmals auf zur Grenze, um zu sehen, ob wir vielleicht jetzt die Chance hatten durchgelassen zu werden. Aber die Situation war noch immer die gleiche. Nachdem wir sieben Stunden auf der Straße herumgesessen hatten, starteten wir nochmals einen Versuch. Wir wollten herausfinden ob uns die kenianische Armee tatsächlich hier draußen im Niemandsland sitzen lassen würde, in der Gefahr stehend von irgendjemand erschossen zu werden. Unser Plan ging auf. Es dauerte nicht lange und ein Team mit bis an die Zähne bewaffneter Soldaten holte uns in einem Toyota Land-Cruiser ab. (Leider gibt es keine Fotos)

ein kleines Schläfchen halten an der Grenze von Sudan


Um die Geschichte kurz zu machen, wir kamen nach Hause und Jackson machte sich gleich auf die Suche nach dem Ersatzteil. Erst in Eldoret, dann in Nakuru (3Std), dann in Naivasha (weiter 2Std), dann in Nairobi (nochmal 2Std). Dann hörte er ein Gerücht, dass es evtl. irgendwo in der Nähe der Küste besagtes Teil geben sollte (weiter 8Std). Zwei oder drei Tage später, ohne wirklich geschlafen zu haben, kam Jackson triumphierend nach Hause. Peter startete sofort das Flugzeug und flog Jackson zurück in den Südsudan.


Nach einiger Zeit bekamen wir einen Anruf. Anscheinend hatte das Team, das beim Unimog blieb, die Dieselpumpe ausgebaut und weitergegeben. So blieb der Wagen ein zweites Mal irgendwo im Busch liegen.


Diese Dinge passieren und man ist sich nie sicher, ob man die ganze Geschichte wirklich verstanden hat. Aber das sind die Herausforderungen, mit denen wir hier zu kämpfen haben.


Am Ende ließen wir den Unimog im Sudan. Dadurch haben wir die Möglichkeit, wenn wir im April 2019 wieder zurückkommen, noch tiefer in den Busch vorzudringen, um noch ein genaueres Bild der unerreichten Stämme hier im Südsudan zu bekommen.

Alles in allem war es ein großes Abenteuer und wir haben viel über die dort Kultur gelernt. Aber neben dem Spaß, den wir hatten, tobt ein geistlicher Kampf. Der Freind ist garnicht mit dem einverstanden, was wir hier tun. Denn er will nicht, das tausende von Menschen errettet werden und Jesus als ihren persönlichen Erretter kennenlernen. Mark und Julias arbeiten sehr hart daran, eine ganze Volksgruppe zu Jüngern zu machen. Die Kosten dafür sind sehr, sehr hoch. Bitte betet dafür, dass die Arbeit weitergehen kann und wächst. Bitte betet auch darüber, ob ihr uns in irgendeiner Weise unterstützen sollt. Es geht nicht um uns – es geht um Christus.

Hier kannst du mehr von uns und unsere Arbeit in Kenia erfahren und regelmassig unsere updates per email bekommen.


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